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Reimund Schmidt-De Caluwe

14. Juli 2017

"Baby you can drive my car"
Fotografien mit Automobilen

Kurze Einführung

In dem Beatles-Song aus dem Jahre 1964 geht es um eine junge Frau, die von einem Verehrer gefragt wird, was sie den einmal werden will. Sie antwortet: I wanna be famous, a star on the screen. But you can do something in between. Bis dahin könne er ja ihr Auto fahren. Erfreut darüber erwidert dieser, er könne sofort anfangen. Und dann kommt es heraus:  I got no car and it's breaking my heart. But I've found a driver and that's a start. Also schon mal den Chauffeur engagieren, wenn man auch noch gar kein Auto besitzt.

 

Als ich die Ausstellung konzipierte und über einen Titel nachdachte, kam mir dieser lustige Song - fast automatisch - in den Sinn. Irgendwie passt er zu einer Fotoausstellung über Autos von jemandem wie mir, der weder Autoliebhaber noch -kenner ist und der sich deshalb auch noch nie bewusst mit der Fotografie von Autos befasst hat. Aber zu einer Autowaschstraße gehören nun mal Autos. Und so habe ich mein Archiv nach Aufnahmen mit Autos durchsucht. Ich war dann selbst erstaunt, dass doch eine ganze Anzahl davon zu finden war. Aufnahmen, die fast alle nebenbei entstanden sind - ungesucht ins Auge gesprungen quasi.

 

Weshalb?

 

Einmal sicher, was die US-amerikanischen Oldtimer in Kuba angeht, wegen ihrer eigenen Ästhetik, die in eine Zeit zurückversetzt, in der ein Straßenkreuzer noch Chiffre für Freiheit, Fortschritt und Wohlstandsgesellschaft war. Der Blick ist also ein nostalgischer, verbunden mit etwas Sehnsucht nach Mobilität ohne Klimakatastrophe, Feinstaubbelastung und Staus. Märchenbilder – die vielleicht gut in dem „glasversargten“ pinkfarbenen Lotus-Sportwagen kulminieren.

 

Zum andere fanden sich Kuriositäten, die kleine Geschichten erzählen. Die fast mit den Sträuchern verwachsene „Ente“, die der eine oder die andere sicher noch mit einer (Jugend)Kultur spontaner Unternehmungen in lässiger Langsamkeit verbinden kann. Schon wieder die Vergangenheit. Oder der Trabi, der durch die Wand, sinnbildlich: durch die Mauer, will. Auch das ist schon eine Generation her.

 

Thematisch aktueller fanden sich Szenen, die das Auto nicht mehr als Freiheitssymbol zelebrieren, sondern als Zeichen der Ungleichheit, wie die Luxuslimousine als Kulisse hinter zwei Obdachlosen in Manhattan. Oder das Auto zeigt sich schlicht als Arbeitsplatz des Bus- oder Taxisfahrers, bei denen fraglich erscheint, ob sie ihr - wahrscheinlich gegen Mindestlohn chauffiertes - Gefährt wirklich lieben. Und auch der lächelnde Bauarbeiter auf der Stoßstange liebt wohl eher seinen Feierabend als den Truck.

 

Zuletzt führen spätestens der Blick auf das Verkehrschaos in Bangkok oder die Aufnahme einer Installation verbrannter Spielzeugautos - als Bilder des Kollapses des Verkehrs in den Metropolen und der Just-in-Time-Produktion auf den Autobahnen - aus der Märchenwelt in die harte Wirklichkeit zurück.

 

Was fehlt, ist ein Blick in die Zukunft. Dass wir auf das Auto verzichten werden, ist auf absehbare Zeit kaum vorstellbar. Etwas Gutes hat das: Stephan Müller muss mit seiner Waschstraße sicher nicht um die wirtschaftliche Existenz fürchten. Auch Elektroautos werden aller Wahrscheinlichkeit nach am Fetischcharakter des Automobils teilhaben und müssen glänzen. Wenn die Mobilität zukünftig indes ohne fossile Energien auskommen sollte, wäre dies schon ein gewaltiger Fortschritt. Und vielleicht entdecke auch ich dann doch noch die Liebe zum Auto und werde den Fotoapparat bewusst auf moderne Kraftwagen richten. Schauen wir mal. Heute danke ich Stephan Müller jedenfalls ganz herzlich für die schöne Idee und Möglichkeit hier auszustellen.

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