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Halle an der Saale

"Wenn du nach Halle reist,

Magst du zuvor mich fragen.

Ich kann dir manches sagen,

Was du vielleicht nicht weißt.

 

Daß du in kurzer Frist

Nur Allerbestes pickst.

Die Stadt ist nämlich etwas trüb gemixt.

Doch kommt's auch darauf an, wer du nun bist.

 

Ziehst du nach Halle, grüße Giebichenstein

Und Marcks und andres Nochzuunterschätzte.

Und möchte alles dir gewogen sein,

Was mich so freundlich hier anringelnätzte."

aus: Joachim Ringelnatz, Brief auf Hotelpapier (1929)

Halle ist eine Stadt mit Gegensätzen - was sie interessant macht. Oft verkannt, weil unbekannt. Mit heute noch 230.000 Einwohnern (1990 waren es noch über 300.000) ist es die größte Stadt in Sachsen-Anhalt. In aktueller Assoziation bei vielen (vor allem im Westen) noch verbunden mit den umliegenden Chemie-Standorten (Leuna, Buna, Bitterfeld), für deren Beschäftigte ab den 1960er Jahren Halle-Neustadt („Chemiearbeiterstadt Halle-West“) errichtet wurde. Paradebeispiel der DDR-„Platte“. Mit anderen Städten Ostdeutschlands teilt Halle die mit hoher Arbeitslosigkeit verbundenen sozialen Probleme, leer stehende Plattenbauten und teilweise auch noch den Anblick verfallender Häuser im Stadtbereich. Dennoch keine Tristesse. Die Stadt zeigt sich selbstbewusst, lebt vom Engagement der Bevölkerung, blickt nach vorne, hat in den letzten 20 Jahren viel erreicht. Halle ist sich seiner Geschichte bewusst, kann auch daraus schöpfen. Kunst, Kultur und Wissenschaft hat hier eine große Tradition (Thomasius, Wolff, Francke, Cantor, Reil, Schleiermacher, Händel, Feininger, Marcks, Friedlaender, Sitte …) und ist heute lebendiger Teil der Stadt (Martin-Luther-Universität als eine der ältesten Unis Deutschlands; Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Leopoldina, Leibnitz-Institute, Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Bundeskulturstiftung, Mitteldeutsches Multimediazentrum, eine reichhaltige Museums- und Galerienlandschaft, Oper, Staatskapelle, Kulturinsel/Neues Theater, Thalia-Theater, Puppentheater, ..). All dies prägt die Atmosphäre, die Stadtkultur. Hinzu kommt ein Ambiente, das diese Vielfältigkeit widerspiegelt – von der wenig kriegszerstörten und mittlerweile weitgehend restaurierten Altstadt, über Viertel bürgerlicher Wohnkultur des 19. Jahrhunderts, vom Verfall angegriffenen Stadtteilen bis hin eben zu Plattenbausiedlungen. Und: Halle ist Deutschlands Großstadt mit den höchsten Anteilen an Parks und Erholungsflächen; insbesondere die Saale mit ihren Inseln bilden einen grünen Gegenpol.

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