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Wetzlar

*** Notizen *** Leitz Park ***

„Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen ringsumher eine unaussprechliche Schönheit der Natur"

Goethe, Die Leiden des jungen Werthers

 

Von Mai bis September 1772 hospitierte Goethe am Reichskammergericht in Wetzlar und erlebte seine unglückliche Liebe zu Lotte (Charlotte Buff), die er im Werther literarisch verarbeitete. Viel Geschichte liegt über der Domstadt und ehemals Freien Reichsstadt, die für lange Zeit Sitz des Reichskammergerichts des Heiligen Römischen Reiches war, dann Provinzstadt der preußischen Enklave Rheinprovinz. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts prägte die industrielle Entwicklung Wetzlar mit Eisenerzeugung und -verarbeitung sowie Zementherstellung (Buderus, Röchling, Berghütte, Carolinenhütte, Herkules).  Zu den Metallbetrieben gesellten sich Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie mit Weltruf wie (Hensoldt (Zeiss), Pfeiffer, Philips, Loh, Seibert, Hollmann), die Wetzlar vorübergehend zu einem Hochtechnologiestandort machten. Mit der Firma Leitz ist die Stadt Geburtsort der Kleinbildkamera Leica und auch heute (wieder) ein weltweit bekanntes Zentrum der Kameraherstellung.

 

Wetzlar teilt das Los vieler Städte, die historisch geprägt sind, sich jetzt aber mühen müssen, den Anschluss an die Entwicklungen der Zeit zu halten. Die kleine idyllisch an der Lahn gelegene Altstadt hat viele reizvolle Ecken und Plätze. An vielen Stellen zeigen sich jedoch jenseits der geschichtsträchtigen touristischen Attraktionen (Dom, Reichskammergericht, Lottehaus, alte Lahnbrücke, Jerusalemhaus etc.) bröckelnde Fassaden und Leerstände. Hier und dort auch Betonsünden. Zu wünschen ist der Stadt, dass sie es aus einer provinziellen Melange heraus schafft und Tradition und Entwicklung attraktiv zu verbinden versteht, damit sie Goethes Verdikt im Nachhinein Lügen strafen kann.


 
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